Arche Noris Siebenbürgerheim Lechbruck
16 Rüstiges Wohnen Vor 50 Jahren war es beinahe selbstverständlich, dass man mit Eintritt in den Ruhestand in eine entspre- chende Einrichtung umzog, wo sich Gleichgesinnte im „Unruhestand“ trafen. Nicht zuletzt deshalb kann Gretel Theil von Faschingspartys berichten, die bis morgens um 4 Uhr dauerten. Auch Poolpartys gab es im hauseigenen Schwimmbad und der hauseigene Chor war ein oft und gern gesehener Gast außerhalb des Siebenbürgerheims. „Manche Bewohner fuhren mehrmals im Jahr in Urlaub“, erinnert sich Gretel Theil, neben dem Fasching wurden auch andere Freizeitakti- vitäten mitorganisiert. Auch in der Küche mischten die Bewohnerinnen und Bewohner mit und kochten auch schon mal selbst. Ende der 1960er Jahre kamen viele Siebenbürger aus Rumänien nach Deutschland um hier ihren Lebensabend zu verbringen. Entsprechend war das Haus als „Wohnen im Alter“-Einrichtung geplant, vor allem für die Siebenbürger, aber auch für Lechbrucker, erzählt Gretel Theil. „Die Bewohner haben sehr viel mitgestaltet, etwa das Essen selber gekocht, und wesentlich mehr selbst organisiert“. Es sei einfach mehr Leben im Haus gewesen, weil es eben ein Wohnheim war, sagt Gretel Theil. Doch nicht nur dadurch unterschied sich das Siebenbürgerheim von heutigen Pflegeeinrichtungen: Der Preis für ein Ein-Zimmer-Appartement mit Bad, Balkon und klei- nem Vorraum betrug vor 50 Jahren 630 D-Mark. Da- für gab es aber auch kein Pflegepersonal im Haus und wer pflegebedürftig wurde, musste im Lebensabend nochmals in eine andere Einrichtung, meist nach Steingaden ins ehemalige „Krankenhaus“, umziehen. Bitter für jene, die hier über viele Jahre gelebt hatten und dann umziehen mussten, so Theil. So begann man allmählich, das eine oder andere Zimmer in ein Pflegezimmer umzubauen, um die pflegebedürftigen Menschen dort unterzubringen. Schließlich wurde sogar ein Pflegebad gebaut. Mit Einführung der Pfle- geversicherung wurde aus der Wohnanlage schließlich ein Pflegeheim. Das Siebenbürgerheim in Lechbruck „Es gelte auch heute noch die Aussage der damali- gen Heimbewohner, dass Menschen hier eine Bleibe erhielten, welche nach den Wirren zweier Weltkrie- ge, die ihnen auf weiten Strecken ihres Lebenswe- ges Mühsal und Plagen aller Art auferlegt hätten, letztendlich dennoch in Würde altern könnten“. Archiv Siebenbürgerheim
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