70 Jahre Forggensee
9 Damals war die Landschaft zu Füßen des Schlosses eine nur vom Lech durchzogene Ebene. Ein alpiner Wildfluss, wie er heute nur noch auf der Tiroler Seite oberhalb des Lechfalls zu finden ist. Auch die Königliche Oberste Baubehörde entwickelte Pläne zum Aufstau des Lechs an gleicher Stelle wie der heutige Roßhauptener Stau- damm. Vor allem der Erste Weltkrieg verhinderte je- doch weitergehende Planungen, so dass der sukzessive Aufstau des Lechs unterhalb von Schongau erst in den 1930er-Jahren vorangetrieben wurde. Auch damals gab es schon Pläne, den Lech bei Roßhaupten zu einem so genannten Kopfspeicher auszubauen, der die Wasser- abgabe an die flussabwärts gelegenen Kraftwerke ver- stetigen sollte. Wieder dauerte es gut zwei Jahrzehnte bis diese Pläne in die Tat umgesetzt werden sollten. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts waren es die Lechflößer, die teilweise bis zum Schwarzen Meer fuhren und Waren zwischen Füssen und Lechbruck beförderten: Zuallererst natürlich das Holz, eingeschla- gen am Trauchberg oder rund um Füssen. Auch der für die Stuckarbeiten in den Kirchen Südbayerns benötigte Gips fand so seinen Weg von den Steinbrüchen bei Füssen und Schwangau. Doch mit der fortschreiten- den Industrialisierung rückte ein anderes Gut in den Mittelpunkt: Energie, genauer gesagt Strom. Den man mit Hilfe der Wasserkraft gewinnen konnte. Ab den 1930er-Jahren wurden die Pläne für eine „Perlenkette“ aus Staustufen zwischen Roßhaupten und Augsburg konkreter und bändigten den Wildfluss Lech. Schon der legendäre Bayernkönig Ludwig II. hatte geplant, die Pöllatschlucht unterhalb von Schloss Neuschwanstein zur Stromgewinnung aufzustauen.
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